Wie hoch sind Strom- und Wasserkosten pro Jahr realistisch?

Bei den laufenden Kosten eines Geschirrspülers reicht ein Blick auf die Effizienzklasse je nach Gerät und Nutzung nicht aus. Wirklich brauchbar wird die Rechnung erst mit kWh pro 100 Zyklen, Wasser pro Zyklus, Ihrem Strompreis, Ihrem Wasserpreis und einer realistischen Zahl von Spülgängen pro Jahr.

Teilen Sie den kWh-Wert vom Energielabel durch 100, multiplizieren Sie ihn mit Ihrem Strompreis und mit Ihren Spülgängen pro Jahr. Beim Wasser multiplizieren Sie Liter pro Zyklus mit der Zahl der Spülgänge und rechnen Liter in Kubikmeter um. Die Rechnung ist eine Orientierung, weil Programmwahl, Beladung und Tarife den tatsächlichen Wert verändern. Die Summe umfasst nur verbrauchsabhängigen Strom sowie Wasser und Abwasser. Reiniger, Salz, Klarspüler und Maschinenpflege müssen Sie zusätzlich einplanen; Grundgebühren und Kaufpreis sind darin ebenfalls nicht enthalten.

Wert Woher nehmen? Warum wichtig?
kWh pro 100 Zyklen EU-Energielabel Basis für Stromkosten
Liter pro Zyklus EU-Energielabel Basis für Wasserkosten
Spülgänge pro Jahr eigene Nutzung größter Hebel neben dem Verbrauch
Strom- und Wasserpreis Vertrag oder Abrechnung macht die Rechnung haushaltsbezogen

Infografik: Strom- und Wasserkosten beim Geschirrspüler realistisch rechnen

Die Grafik ordnet Stromverbrauch, Wasserverbrauch und Nutzungszahl so ein, dass daraus eine nachvollziehbare Jahreskosten-Schätzung wird.

Für eine belastbare Jahresrechnung brauchen Sie nur wenige Werte. Auf dem Label finden Sie den Energieverbrauch pro 100 Zyklen und den Wasserverbrauch pro Zyklus des Eco-Programms. Ihren Strompreis finden Sie im Tarif oder in der letzten Abrechnung, den Wasserpreis bei Ihrem Versorger oder in der Nebenkostenabrechnung.

Genau an dieser Stelle passieren viele Rechenfehler. Manche lesen den kWh-Wert wie einen Jahresverbrauch. Andere rechnen mit Fantasiewerten für Wasser oder setzen einfach 365 Spülgänge an. So wird die Kalkulation schnell unbrauchbar.

Die Stromrechnung ist einfach. Teilen Sie die Angabe auf dem Energielabel durch 100, dann haben Sie den Verbrauch pro Spülgang. Multiplizieren Sie ihn anschließend mit Ihrem Strompreis und mit der Zahl der Spülgänge pro Jahr.

Ein Beispiel: Stehen auf dem Label 54 kWh pro 100 Zyklen, dann sind das 0,54 kWh pro Spülgang. Rechnen Sie mit 30 Cent pro kWh, kostet ein Spülgang rund 16 Cent Strom. Bei 220 Spülgängen im Jahr landen Sie bei rund 36 Euro Stromkosten.

Für die eigene Rechnung ist immer Ihr tatsächlicher Tarif entscheidend. Die hier genutzten 30 Cent pro kWh sind nur eine Beispielannahme, damit Sie die Größenordnung schneller einordnen können.

Beim Wasser gehen Sie ähnlich vor, nur ohne den Zwischenschritt über 100 Zyklen. Stehen auf dem Label 9 Liter pro Zyklus, verbraucht das Gerät bei 220 Spülgängen im Jahr rund 1.980 Liter, also knapp 2 Kubikmeter Wasser.

Mit einem angenommenen gemeinsamen Wasser- und Abwasserpreis von 4,50 Euro pro Kubikmeter kommen Sie in diesem Beispiel auf 1,98 x 4,50 = 8,91 Euro pro Jahr. Das ist keine aktuelle Durchschnittspreisangabe. Verwenden Sie Ihre verbrauchsabhängigen Tarife; feste Grundgebühren fallen durch einzelne eingesparte Spülgänge nicht weg.

Die Jahreskosten hängen vor allem an zwei Punkten: an den konkreten Verbrauchsangaben Ihres Geräts und daran, wie oft die Maschine wirklich läuft. Ein sparsamer Geschirrspüler bleibt bei seltener Nutzung deutlich günstiger als ein häufig laufendes Gerät mit ähnlicher Effizienzklasse.

Zur Einordnung hilft ein durchgerechnetes Beispiel mit 54 kWh pro 100 Zyklen, 9 Litern pro Zyklus, 30 Cent pro kWh und 4,50 Euro pro Kubikmeter Wasser:

Nutzung Strom pro Jahr Wasser pro Jahr Summe
170 Spülgänge 27,54 Euro 6,89 Euro 34,43 Euro
220 Spülgänge 35,64 Euro 8,91 Euro 44,55 Euro
280 Spülgänge 45,36 Euro 11,34 Euro 56,70 Euro

Die Nutzungszahlen sind Beispielszenarien, keine belegte Verteilung deutscher Haushalte. Zählen Sie die Spülgänge einiger typischer Wochen und berücksichtigen Sie Urlaub sowie saisonale Unterschiede. Rechnen Sie mit ungerundeten Werten bis zum Endergebnis.

Nutzen Sie verschiedene Programme, rechnen Sie getrennt: Verbrauch pro Gang des jeweiligen Programms x dessen jährliche Spülgänge x Tarif. Summieren Sie anschließend die Programmkosten. Die Verbrauchstabelle Ihrer Modellanleitung ist dafür geeigneter als der Eco-Labelwert für jeden Gang. Produktdatenblätter können kWh bereits pro Zyklus ausweisen; diesen Wert nicht nochmals durch 100 teilen.

Der erste Stolperstein ist die Programmauswahl. Die Angaben auf dem Energielabel beziehen sich auf das Eco-Programm. Wenn Sie oft Kurz- oder Intensivprogramme nutzen, kann der reale Verbrauch höher ausfallen als Ihre Rechnung auf Basis des Labels. Das Label bleibt trotzdem nützlich, weil es Geräte unter denselben Bedingungen vergleichbar macht.

Der zweite Stolperstein ist halbvolle Beladung. Wer häufig zu früh startet, verteilt Strom und Wasser auf weniger Geschirr. Dann steigen die Kosten pro Teller, Glas oder Dose schnell, obwohl das Gerät auf dem Papier sparsam ist.

Der dritte Fehler ist ein zu starrer Blick auf die Klasse. Auch innerhalb einer Effizienzklasse können sich die konkreten Verbrauchswerte unterscheiden. Für die laufenden Kosten sind deshalb die Zahlen auf dem Label wichtiger als der Buchstabe allein.

Rechtfertigt weniger Verbrauch einen Aufpreis? Vergleichen Sie die jährliche Ersparnis mit der Preisdifferenz. Fiktives Beispiel: 54 statt 64 kWh pro 100 Eco-Zyklen spart bei 220 Gängen und 0,30 Euro/kWh nur 6,60 Euro Strom im Jahr. Ein Aufpreis von 100 Euro wäre allein dadurch erst nach rund 15 Jahren ausgeglichen. Das ist keine Lebensdauerprognose; andere Wasserwerte, Programme und Tarife verändern die Rechnung. Bessere Trocknung oder eine passende Front können für Sie trotzdem den Aufpreis wert sein, aber aus einem anderen Grund.

Eine brauchbare Rechnung ist weder besonders kompliziert noch besonders exakt. Sie ist vor allem realistisch. Wenn Sie die Angaben auf dem Energielabel, aktuelle Tarife und Ihre ungefähre Zahl an Spülgängen sauber zusammenführen, erhalten Sie einen guten Jahreswert für Strom und Wasser.

Die Größenordnung oben gilt nur für die angenommenen Verbrauchswerte, Tarife und Nutzungszahlen, nicht als allgemeiner heutiger Haushaltswert. Strom und Wasser sind zudem nicht die gesamten Betriebskosten: Reiniger, Salz, Klarspüler, Pflegeprodukte und gegebenenfalls Reparaturen kommen hinzu.

Wenn Sie Ihre Nutzungszahl und Tarife grob kennen, können Sie wichtige Daten abgleichen, etwa kWh pro 100 Zyklen, Wasser pro Zyklus, Geräusch und Kapazität.

  • Sind 35 bis 60 Euro pro Jahr feste Kosten?
    Nein. Das ist keine allgemein belegte aktuelle Kostenspanne. Ihre Tarife, Programme und Nutzungszahlen entscheiden über die tatsächlichen Kosten.

  • Warum zählt der kWh-Wert mehr als die Effizienzklasse?
    Die Klasse sortiert Geräte grob ein. Für eine Rechnung brauchen Sie den konkreten Verbrauchswert pro 100 Zyklen.

  • Warum ist Wasser meist der kleinere Kostenblock?
    Der Wasserverbrauch pro Spülgang ist vergleichsweise gering. Trotzdem gehört er in die Rechnung, vor allem bei häufiger Nutzung.

  • Wann wird die Rechnung ungenau?
    Wenn Sie oft Kurz- oder Intensivprogramme nutzen, häufig halbvoll spülen oder mit veralteten Strom- und Wasserpreisen rechnen.